|
8. März 2010, 04:00 Uhr
Kabarettisten zeigen Solidaridät mit Kabarettkollegen.
Der Kabarettist Helmut Schleich, der am Mittwoch ebenfalls auf dem Münchner Nockherberg aufgetreten ist, hat sich mit dem geschassten Kollegen Michael Lerchenberg solidarisiert. . .
Link: Solidarität mit Lerchenberg
Link: zum Focus
Link: zur Süddeutschen Zeitung
Kommentar:
Die Regeln beim Biathlon sind anders als beim Kabarett. Wer beim Biathlon nicht ins “Schwarze trifft” hat daneben geschossen und muß eine Strafrunde laufen. Beim Kabarett kann man daneben geschoßen haben, gerade weil man (vieleicht auch nur versehentlich) ins “Schwarze” getroffen hat. Sollen Kabarettisten deshalb absichtlich danebenschießen (wegschauen), damit sie die Zielscheibe nicht beschädigen oder Empfindlichkeiten verletzen können. Wir würden ärmer werden und hätten bald gar nichts mehr zum Lachen.
Ich glaube, Michael Lerchenberg hatte selbst nicht geahnt, daß er mit dem schlimmen Vergleich dermaßen mißverstanden werden könnte.Sein Vergleich war ein Mißgeschick, nicht zu Ende überlegt, unzulässig. Aber schnell und aktuell auf gegenwärtige Politik reagieren zu müssen, da bleibt nicht viel Zeit, sich selber rechtzeitig zu korrigieren und schlimme Folgen zu erkennen. Daß der BR für die Wiederholung korrigiert hat, ist in Ordnung. Der BR hatte auch 2 Tage Zeit dazu. Es war nicht mehr Live. Aber eine klärende “Gesprächsrunde” wäre auch nicht schlecht gewesen.Ein bißchen erinnert mich das Geschehen an den Satz:” Überbringer schlechter Nachrichten werden geköpft” Es ist ähnlich wie beim Olympiasport geworden. Dort: “Immer schneller, weiter, höher”, was zu Unfällen führen kann. Hier:”Jedes Jahr schärfer, bissiger, schneller in der Aktualität”, was zu “Ausrutschern” führen kann. Es ist leicht im Schutze der Mehrheit einen Einzelnen, Kreativen, der Fehler machen kann, anzugreifen. Beim Hinsitzen, Biertrinken, sich unterhalten lassen und Lachen kann Keiner Fehler machen. Möglicherweise wird die “Salvatorrede” künftig langweilig, fad, ohne Salz und Pfeffer, weil sich Keiner mehr zum Narren machen will.
Im 3ten Reich, wie in späteren, anderen Diktaturen, waren die Medien gleichgeschaltet. Damals konnte und durfte Niemand kritisieren, auch die Satire war gelähmt. Es wäre besser gewesen, es hätte damals nicht so viele “Uninformierte, kritiklose Mitläufer gegeben”,dafür mehr Kritiker. Selbstverständlich sind wir weit entfernt von den Zuständen in der Vergangenheit. Es sind keinerlei Vergleiche zulässig. Seien wir aber froh, daß in der Gegenwart Kritik möglich ist, auch wenn sie durch Karrikaturen sehr überspitzt wird, und Gefahren leider oft nur für “Nachdenkliche Menschen” rechtzeitig erkennbar werden. Lieber einmal mit “Platzpatronen” danebenschießen und dann korrigieren, als immer wegschauen und Gefahren nicht mehr erkennen wollen oder können. Mißglückte Vergleiche mit der Vergangenheit sind nicht nötig. Die Schatten der Vergangenheit dürfen wir nicht vergessen oder verharmlosen. Es sollte uns erlaubt sein, wachsam zu bleiben, auch auf die Gefahr eines Fehlalarms hin. Keiner würde “Überwachungsanlagen” nur deshalb abschalten, damit kein Fehlalarm ausgelöst werden kann !
den Kommentar schrieb: Rudolf Hillebrand
|